Der gewaltsame Tod von George Floyd hat 2020 die Welt erschüttert und in zahlreichen
Ländern zu Protesten gegen Rassismus geführt. Auch in Deutschland sind die Menschen auf
die Straße gegangen und haben dem Willen Ausdruck verliehen, Rassismus endlich zu
überwinden.
Doch die letzten Monate haben auch gezeigt, dass dieses Ziel eine Aufgabe für die gesamte
Gesellschaft ist und nicht allein das Anliegen der Betroffenen sein kann. Wir alle müssen zur
Beseitigung von Rassismus in den unterschiedlichen Bereichen unseres Lebens beitragen.
Die Grüne Jugend Greifswald hat sich im letzten halben Jahr mit dem Thema Antirassismus
auseinandergesetzt. Als Ergebnis unserer Arbeit haben wir einen Forderungskatalog
erarbeitet, der die politische Debatte über Rassismus in Mecklenburg-Vorpommern und
dessen Beseitigung anstoßen soll.

Rassismus bei der Polizei

1. In Mecklenburg-Vorpommern soll eine unabhängige Beschwerdestelle für Rassismus und
rassistische Übergriffe seitens der Polizei eingerichtet werden.
2. Für Polizist*innen und Polizeianwärter*innen soll es regelmäßige Schulungen zum
Thema Antirassismus geben.
3. Bei der Abfrage personenbezogener Daten durch POLAS ist bei jeder 10. Abfrage der
Grund anzugeben. Dieser ist stichprobenartig zu überprüfen. Bei missbräuchlichem
Verhalten ist zusätzlich zu internen Ermittlungen die Beschwerdestelle zu informieren.

Bildung

4. Rassismus sollte in allen Schulen und Schulformen umfassend thematisiert und
dekonstruiert werden. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe
Deutschlands, den Verbrechen der Nationalsozialisten aber auch aktuellere Vorfälle wie
die Anschläge in Rostock Lichtenhagen, der NSU-Terror oder der Anschlag in Hanau.
5. Antirassismus muss auch im Lehramtsstudium stärker verankert werden. Es soll daher
ein möglichst fächerübergreifendes, verpflichtendes Modul im Studium geschaffen
werden.
6. Jedes Kind sollte in Mecklenburg-Vorpommern kostenfreien Zugang zu
Ganztagsangebote an Schulen bis Klasse 10 bekommen, um die Chancengleichheit von
Schüler*innen jeglicher Herkunft zu fördern.

Alltagsrassismus

7. Antirassistische Sprache sollte fester Bestandteil unseres Alltags werden. Um dafür zu
sensibilisieren, benötigt es einer entsprechenden Aufklärung und Bildungsarbeit.
8. Interkulturelle Begegnungsorte in Mecklenburg-Vorpommern sollten geschaffen bzw.
stärker gefördert werden. Ihre Arbeit ist vor allem im ländlichen Raum essenziell für die
Bekämpfung rassistischer Strukturen und Vorurteile.
9. Antirassismus ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Es sollte daher in den
Kindergärten und Grundschulen bereits Toleranz und Weltoffenheit gefördert werden.
Entsprechendes Material (bspw. Kinderbücher, Buntstifte in verschiedenen Hautfarben,
antirassistische Unterrichtsmaterialien) sollte dafür bereitgestellt werden.

Antirassistische Initiativen

10. Die Förderung antirassistischer Initiativen (z.B. Greifswald hilft, Demokratiebahnhof in
Ankam etc.) durch das Land sollte verstärkt werden.
11. Die Arbeit der antirassistischen Initiativen sollte öffentliche Repräsentation und
Anerkennung auf den Seiten und Informationsportalen des Landes finden.